Bassam Tibi manipuliert

Ailan Kurdi liegt mit dem Gesicht auf deinem Schild, auf dem "Denied" steht

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Bassam Tibi ist Politikwissenschaftler syrischer Abstammung und kommt in Presse und Talkshows häufiger als Experte für Einwanderung und Islam zu Wort. Das ist vor allem deshalb ein Problem, weil er sehr einseitig berichtet und sogar manipuliert, wie in diesem Artikel der Basler Zeitung.

Beispielsweise lässt er es so wirken, als hätte das Wall Street Journal aufgedeckt, dass die durch Zuwanderer verübte Kriminalität zugenommen hat, um seine These zu stützen, dass die Verknüpfung von Kriminalität und Migration hierzulande tabuisiert wird. Es war aber eine staatliche Behörde, nämlich das Bundeskriminalamt, das diese Zahl offen thematisiert hat. Sie steht in der Kriminalitätsstatistik und wurde von der Presse aufgegriffen.

Auch dass die Täter islamistischer Anschläge Zuwanderer sind, wird – anders als von ihm behauptet – immer wieder in der Presse erwähnt. Was er allerdings nicht erwähnt ist, dass die britischen Behörden vor dem Terroranschlag von Manchester vor dem Täter gewarnt wurden – von Muslimen aus dem Umkreis des Täters.

Dass “Masseneinwanderung” eine Volkswirtschaft belasten kann, mag sein, aber in Deutschland hat sie nachweislich zu einer Steigerung der Binnennachfrage und zum Wirtschaftswachstum beigetragen – zu diesem offensichtlichen Widerspruch zu seinen Thesen verliert Tibi kein Wort.

Er belegt auch nicht die angeblichen Kosten für die in Deutschland lebenden Flüchtlinge in Höhe von 28 bis 30 Milliarden Euro im Jahr. Woher hat er diese Zahl? Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung ZEW nennt ähnliche Zahlen, die allerdings auf der Prämisse beruhen, dass jährlich 800.000 Menschen einwandern, was nicht der Fall ist.

Zudem erklärt er die Flüchtlinge im Flüchtlingslager bei Calais pauschal zu Wirtschaftsflüchtlingen und Kriminellen, was in einem Rechtsstaat, den Tibi zu schützen vorgibt, zunächst im Einzelfall zu prüfen wäre.

Weshalb die Zahlen der Behörden zur Anzahl der Muslime in Deutschland “ungenau bis zur Unbrauchbarkeit” sein sollen, erklärt er nicht weiter. Sein Versuch, es elegant auszudrücken, indem er behauptet, er müsse “einräumen, dass diese Zahlen auf Schätzungen beruhen”, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass er eine muslimische “Schattenbevölkerung” als Drohkulisse aufbaut. Dies erinnert an die Verschwörungstheorie rechter Kreise, die behaupten, die Politik würde den Bevölkerungsanteil der Muslime verschweigen, um das wahre Ausmaß einer “Islamisierung” zu verbergen.

Tibi gibt vor, das Grundgesetz schützen zu wollen, doch stellt er seinerseits Grundrechte in Frage – und argumentiert dabei unsachlich. Dass ein Asylbewerber als Grund für seine Flucht seine Mitgliedschaft bei den Taliban angegeben hat, ist zutreffend, doch tatsächlich ein Fluchtgrund: Nicht jedes Talibanmitglied ist es freiwillig und die Taliban setzen auch Kindersoldaten ein. Ob dies in diesem und weiteren Fällen zutreffend ist, ist Angelegenheit einer Einzelfallprüfung. Ehemalige Talibankämpfer grundsätzlich für Asyl-unwürdig zu erklären, weil deutsche Truppen in Afghanistan gegen die Taliban kämpfen, ist nach deutschem Recht nicht möglich – und auch völlig unsachlich.

Und weshalb Hamburg (1,8 Millionen Einwohner) mit 35 000 Flüchtlingen und Bayern (12,8 Millionen Einwohner) mit 130 Integrationsklassen die Grenze des belastbaren erreicht haben sollen, ist wohl nur für Tibi nachvollziehbar. Er erklärt es auf jeden Fall nicht.

Wenn die Presse jemanden nur deshalb zum Experten für Einwanderung und Islam macht, weil er Intellektueller, Muslim und aus Syrien eingewandert ist und ein paar manipulative und unwissenschaftliche Artikel zum Thema geschrieben hat, offenbart das eine mangelnde journalistische Sorgfalt.